JULI 2013

Am 03. Juli ist der Tag endlich gekommen! Rita kommt nach guten 2 Monaten Abwesendheit zurück nach Antalya, wo Bettina von der VIGO und ich sie mit dem Auto abholen. Was für eine Freude! Gegen Mitternacht treffen wir dann in Finike ein, laden das Auto aus und verbringen noch ein paar Stunden im gemütlichen Plausch, wir haben uns ja doch eine Menge zu erzählen, bevor wir gegen 03:00 in die Koje fallen. Am Tag darauf beschließen wir, nach einem gemeinsamen leckeren Frühstück, noch ein paar Tage in Finike zu verbringen und es langsam angehen zu lassen, damit Rita sich erst einmal wieder richtig eingewöhnen kann. Unser Liegevertrag läuft ja noch bis zum 13.07. Das Wetter und die Temperaturen im Hochsommer sind schon etwas gewöhnungsbedürftig im Vergleich zu Nordeuropa. Tagsüber liegen die Temperaturen so zwischen 35 und 40°, abends und nachts geht es auch nicht unter 30°C. Ist also schon ganz gut warm hier.

Die kommenden Tage verbringen wir damit das Boot mit Proviant für die nächste Zeit zu versehen, machen Listen und Besorgungen jeglicher Art. Am 05. Juli fahren wir mit Wolfgang & Maritta sowie Grille zum Abendessen zu einem Forellenhof Richtung Elmarli und besuchen vorher noch einen Wasserfall mit anliegendem kleinen Gemüsemarkt (siehe auch Fotos). Am 09. Juli sind wir bei Grille in ihrem Haus am Hang mit Blick auf Finike zum Abendessen eingeladen. Es hat gerade der Ramadan angefangen und wir können oben von der Dachterrasse beobachten, wann und wie die Türken zum abendlichen Essenfassen gerufen werden (alltäglich wird in der Ramadanzeit kostenfreies Essen in einem großen Zelt für die Armen angeboten). Grille hat wieder neue Rezepte ausprobiert, die wir nun alle kosten und testen sollen. Es ist wieder ein äußerst netter Abend in der üblichen Besetzung (Wolfgang, Maritta, Herbert, Grille nebst Freundin aus Berlin, und den beiden von THORBJOERN.

Am 12.07. laden wir uns kurzfristig abends auf die APHRODITE von Maritta & Wolfgang ein, um bei einem Sekt und ein paar Räucherlachshäppchen den Abschied zu feiern.

Morgens um 08:00 am 13.07. legen wir ab und fahren zur Tankstelle auf die andere Seite des Hafens um Diesel zu bunkern (170 Ltr.). Kurz danach kurven wir nochmals zur APHRODITE, winken W & M zu und verlassen den Hafen Finike Richtung Westen nach Kekova, was ca. 20 sm entfernt ist. Beim Manöverieren im Hafen fällt auf, das bei hoher Drehzahl schwarzer Auswurf aus dem Auspuff kommt. Bei normaler Drehzahl ist jedoch alles in Ordnung. Deshalb mache ich mir zuerst auch nicht so wirkliche Sorgen, sondern habe vor die nächsten Tage mal nach den Dieselfiltern zu schauen. Da früh am Morgen hier auf der Ecke eh kein Wind weht, müssen wir den Weg nach Kekova unter Motor zurücklegen. Draußen sehen wir dann die erste Wasserschildkröte. Gegen Mittag laufen wir in eine schöne Bucht westlich von Kekova ein und lassen am Buchtende kurz vor den dortigen beiden Restaurants den Anker auf Pos. 36° 09`90" N / 29° 48`14" E auf gutem Sandgrund fallen. Den Nachmittag genießen wir mit baden und beobachten von Schildkröten, die zum Luftholen hin und wieder in Bootsnähe auftauchen.

Am 15. 07. wechsel ich die beiden Dieselfilter gegen neue aus, starte den Motor, der auch ein paar Minuten läuft, dann aber abstirbt. Alle weitere Bemühungen die Leitungen zu entlüften und den Motor wieder zum Laufen zu bringen schlagen leider fehl. Ich telefoniere mit Wolfgang in Finike, beschreibe den Vorfall. Wolfgang sieht mehrere Möglichkeiten, insbesondere Mängel in der Spritversorgung. Was also tun? Ich versuche es nochmals mit einer Entlüftung aber ohne Erfolg. Es ist auch zu heiß, um den ganzen Tag im Motorraum zu verbringen! Also erst einmal alles sacken lassen und weiter überlegen.

Am 16.07. machen wir uns nach dem Frühstück auf mit dem Dingi zum Restaurantsteg und wandern mehrere Kilometer bei schon guter morgentlicher Hitze "on the Lycian Way" Richtung Westen zu einer gegenüber liegenden Bucht, wo wir Überreste der alten Hafenstadt Aperlai (auch genannt tote Steine) besichtigen wollen. Mehrere alte Gräber sind dort an den Berghängen noch recht gut erhalten. Auf dem Rückweg machen wir Station im "Purple House" unter einem 600 Jahre alten Olivenbaum (auch hier möchte ich auf die Fotos im entsprechenden Ordner verweisen).

Wieder zurück beschäftige ich mich nochmals mit dem Motor, jedoch wieder ohne Erfolg.

In der Nacht zum Mittwoch, d. 17.07. geht früh morgens um 03:00 der Bilgenalarm an!!! Die Motorbilge ist voll mit Diesel. "Augen zu und durch" ist angesagt. Wir pumpen den Diesel aus der Bilge in 5 Ltr. Kanister um (insgesamt ca. 140 Ltr.), filtern ihn und füllen alles wieder in die Tanks, nachdem wir natürlich die Zuleitungen abgesperrt haben. Am Ende stellt sich heraus, dass das Wasserschauglas am Vorfilter nicht gut genug angezogen war und daraus der Diesel entfließen konnte. Steuerbord- und Backbordtank werden getrennt und nur noch der BB.-Tank versorgt nun die Maschine mit Kraftstoff. Das hat den Vorteil, dass bei einer erneuten Leckage nur noch die Hälfte herausfließen kann! Danach geht es gegen 06:00 nochmals ab in die Koje.

Am frühen Nachmittag fahre ich mit dem Dingi zu einer deutschen Yacht, die nicht weit von uns vor Anker gegangen ist und versuche dort nach Schilderung des Sachverhaltes Ratschläge zu bekommen, wie ich den Motor wieder in Gang bekomme. Leider hat der Skipper Joachim genauso viel oder wenig Ahnung wie ich, bietet aber an uns gegen 18:00 nach Kekova in den Hafen zu schleppen. Klasse, dort haben wir wenigstens Landverbindung und eine bessere Möglichkeit den Schaden zu beheben oder beheben zu lassen. Am Abend gehen wir dann Anker auf und werden von Joachim auf den "Haken" genommen. Mit 2,25kn geht es dann im Schlepp die paar Meilen nach Kekova an den Steg. Dort werden wir dann mit Hilfe von Schlauchbooten auf einen freien Platz bugsiert und gehen später am Abend mit unseren beiden "Rettern" Angelika & Joachim zu Hassan zum Essen. Sehr lecker und ein netter Abend! Vorher hatte ich noch mit Wolfgang in Finike telefoniert, der uns angeboten hat Morgen früh mit dem Auto zu kommen und mir bei der Maschine zu helfen. Klingt super, denn Wolfgang hat wirklich viel Ahnung.

Donnerstag, d. 18.07.: Wie versprochen kommen Maritta & Wolfgang gegen 09:00 mit dem Auto an und wir machen uns nach kurzer Begrüßung sogleich an die Arbeit. Die gesamten Kraftstoffleitungen werden entleert / entlüftet, die Filter erneut gewechselt. Nach 3 Std. ist es geschafft und der Motor startet wieder und läuft auch durch. So, diese Sache wäre erst einmal erledigt! Allerdings stellen wir fest, dass jede Menge Wasser im Dieseltank ist! Aus dem BB.-Tank haben wir alles abgelassen, den Stb.-Tank weiterhin getrennt vom System. Ferner stellt Wolfgang fest, dass der Turbolader nicht mehr läuft, sondern festsitzt. So können wir unsere Sommerreise nicht fortsetzen und entschließen uns daher nach Finike zurückzukehren. Gegen 13:45 starten wir den Motor und Wolfgang und ich fahren das Boot zurück nach Finike, während Maritta & Rita mit dem Auto fahren. Mehr als 2.500 Umdrehungen können wir mit dem Motor nicht machen, aber bei so um 5,5 kn reicht das ja auch. Kurz vor Finike bekommen wir noch ein sauberes Sommergewitter ab mit viel Regen und Böen um 16 m/s, aber nach gut 45 Min. ist alles wieder vorbei. Um 17:15 sind wir wieder fest in der Finike Marina. Abends gehen wir alle zu Petek essen.

Am 19.07. nach dem Frühstück wird zum xten Mal die Backskiste untern Salonsitz leer geräumt, um besser in den vorderen Motorraum zu gelangen. Heute wollen wir das Wasser und dem Schmutz aus den Tanks ablassen. Insgesamt holen wir aus den beiden Tanks fast 15 Ltr. Wasser heraus!!! Das bedeutet bei einem Zutankvolumen von 170 Ltrn. und unter der Berücksichtigung, dass vielleicht vorher schon ein kleiner Schwitzwasseranteil im Tank vorhanden gewesen ist, dass wir beim Tanken in Finike am 13.07. ein Dieselwassergemisch erhalten haben mit ca. 7-8% Wasseranteil.

Also Beschiss auf türkisch in ganzer Linie, der uns viel unangenehme Arbeit gemacht hat!

In den kommenden Tagen beschäftigen wir uns mit Möglichkeiten, wie, wo und durch wen der Turbolader repariert werden kann. Ein Telefonat mit Marx (Motorvertreter in Hamburg) ergibt, dass ein neuer Lader ca. EUR 3.000,00 kostet. Man räumt uns bei Bestellung Rabatt ein, so dass letztendlich EUR 2.370,00 zu zahlen wären, allerdings nur frei Hamburg, es müßte also noch einer von uns nach HH fliegen, um den Lader abzuholen. Weitere Internetrecherchen ergeben Reparaturmöglichkeiten hier in der Türkei. Eine Firma in Izmir könnte den Turbolader überholen. Am Montag, d. 22.07. vergeben wir den Auftrag an den Technical Service (Yanmarvertretung) in Finike. Der Lader wird ausgebaut und am gleichen Tag nach Izmir versandt.

Am Dienstag, d. 23.07. kaufe ich von einigen türkischen Jungens am Nachmittag am Steg einen großen Bonito, den sie gerade vor ein paar Stunden draußen geangelt hatten. Wir laden Wolfgang, Maritta und die beiden Norweger Nancy & Dag ein zum Räuchern abends im Porthole. Dazu bringen die "Gäste" Beilagen, wie Brot, geröstete Kartoffeln, gedünstete Paprika und Salate mit. Wird ein sehr netter und gemütlicher Abend, mal ohne Probleme, einfach nur Spass haben!

Mittwochvormittag bekomme ich vom Technical Service die Info., dass der Turbolader repariert werden kann und die Überholung nur EUR 350,00 kosten soll. Ich erteile sofort den Auftrag und freue mich riesig über die relativ geringen Kosten. Unseren Aussenborder gebe ich dann gleich auch mit zum Service für EUR 90,00 zur Überholung.

Da wir hier nun noch einige Tage in Finike verweilen müssen, entschliessen wir uns noch 2 Solarpaneele nachzurüsten, die wir oben über dem Bimini montieren lassen wollen. Ein Angebot von Faik (örtl. Schiffsausrüster) für die beiden Panele plus Fertigung des Befestigungbügels und Montage beläuft sich nach einigen Verhandlungen auf ca. 750,00 EUR. Nun sind wir hoffentlich für die Zukunft autark, was die Energieversorgung auf den Ankerplätzen betrifft. Wir haben nun immerhin bei 310 Watt Leistung gute 15 Amp. pro Std. Sonnenladung am Tag.

Am 27.07. sind wir erneut alle bei Grille zum Abendessen eingeladen. Sie kocht wirklich wunderbar und es wird erneut ein netter Abend. Übrigens heißt auf türkisch Meeresleuchten "Jakamos"!!! Wir haben nämlich abends von der Dachterrasse aus den (fast Voll)Mond über den Bergen aufgehen sehen, mit seinen über dem Wasser der Bucht wunderbaren Leucht-/Licht-/Spiegelreflexen.

Montag, d. 29.07.: Von 11:30 - 13:00 wird der reparierte und überholte Turbolader wieder eingebaut und ein Probelauf gestartet. Alles ist zu bester Zufriedenheit. Preis für Aktion total: EUR 650,00.

Dienstag, d. 30.07. montiert Faik die neuen Solarzellen. Ich verlege die Kabel und schließe alles über einen neuen Regler an die Baterien an. Funktioniert einwandfrei!

Später am Tag versorgen wir uns noch mit weiterem Proviant, da wir am 01.08. ein weiteres Mal starten wollen.

31.07. der wohl hoffentlich für einige Zeit letzte Tag im Hafen von Finike:

Maritta und Rita fahren zusammen mit dem Auto zum Wochenmarkt, um Obst und Gemüse für die kommenden Tage einzukaufen.

Abends gehen wir nochmals zu Wolfgang und Maritta auf die APHRODITE, trinken ein wenig Sekt und Whiskey zum 2. Abschied der Saison.