START DER REISE INS MITTELMEER

Samstag, der 02. Juli 2011:



Heute ist es endlich soweit! Bergfest des Jahres 2011 (183. Tag des Jahres) und Start unserer Reise ins Mittelmeer. Vormittags kommen noch einige Freunde, Achim & Corinna, um uns zu verabschieden. Auch Rita´s Schwester mit Mann und Sohn treffen noch vor dem Ablegen um 12:30 ein, um zu winken.Es ist schon ein komisches Gefühl in diesem Moment. Also, nach mehrfachem Drücken und Küssen, Leinen los und ab geht die Post auf die Elbe bei guten Wind von achtern und ... natürlich Regen!!! Draußen auf der Elbe steht ´ne gute Welle und wir rollen ganz gut. Aber der Strom nimmt uns mit und schiebt uns mit guten 7 Kn. die Elbe aufwärts Richtung Hamburg. Die Stimmung ist trotz des miesen Wetters gut, bis ... kurz vor Hamburg auf der ÄLVAN, aufgrund der doch recht starken Rollbewegungen, die Masthalterungen in sich zusammenbrechen. Björn kann den Mast jedoch  provisorisch längsseits laschen, sodass wir uns schließlich entscheiden weiter nach Geesthacht zu fahren. Der Regen nimmt leider immer weiter zu und es wird noch ungemütlicher. Gegen 17:00 stehen wir vor der Schleuse in Geesthacht und warten auf Einlass. Björn verliert noch schnell mal einen Fender und dann geht´s ab in die Schleusenkammer. Gegen 18:00 sind wir dann im Geesthachter Yachthafen fest und können uns aus den Regenklamotten pulen. Die ersten 60 km der Gesamtstrecke von 2.100 km sind bewältigt. Morgen wollen wir uns dann um das Disaster auf ÄLVAN kümmern.

 

Sonntag, 03.07.2011:

 

Nach dem Frühstück versuchen wir mit Bordmitteln den Schaden auf ÄLVAN zu beheben, was uns auch nach gut 3-4 Stunden zufriedenstellend gelingt. Das Wetter hat sich etwas gebessert, ist aber immer noch recht kühl und windig.

Morgen geht es dann weiter in den Elbe-Seiten-Kanal.

 

Montag, 04.07.2011:



 

Um 11:15 wird der Motor gestartet und es geht, nach dem gestrigen Arbeitstag, weiter. Im Geesthachter Yachthafen war es schon ganz schön und vor allem hat man uns dort sehr nett aufgenommen und auch mit einigen Sachen, wie Werkbank, toll bei unseren Arbeiten unterstüzt.

Als wir Tespehude passieren ist Hanne bereits am Anleger, um ein Foto von Ihrem ehemaligen Boot zu machen und ein letztes Mal zu winken und uns eine gute Reise zu wünschen.

Gegen 12:30 biegen wir in den Elbe-Seiten-Kanal ein und passieren um 12:50 das Sperrtor bei Artlenburg. Gegen 14:00 erreichen wir den Vorhafen des Hebewerkes Scharnebeck. Leider müssen wir hier 4 Std. warten, bis wir endlich gegen 18:00 freie Fahrt ins Hebewerk bekommen. Das Hebewerk ist schon ein sehr imposantes Bauwerk (praktisch ein 100 m langes und 12 m breites Wasserbecken, dass wie ein Lift nach oben gehoben wird)) und soll uns 38 m hoch auf den Elbe-Seiten-Kanal bringen. Nach einer 3/4 Std. sind wir dann auch oben und können unsere Fahrt fortsetzen. Nun suchen wir nur noch einen Liegeplatz für die Nacht. Um 20:20 finden wir bei Wulfsdorf eine Liegestelle, an der wir festmachen können. Hier gibt es weder Strom noch andere Versorgungsmöglichkeiten aber wir wollen ja auch nur die Nacht ruhig verbringen und sonst nichts. Der Törn heute war knapp 19 sm lang, also ca. 35 km lang. Für diese Strecke benötigten wir inkl. der 4 Wartestunden knapp 9 Std. Das langt denn auch für heute!

 

Dienstag, 05.07.2011

 

Ablegen um 10:00. Es ist mehr oder weniger stark bewölkt, aber trocken. Das ist ja auch die Hauptsache. Die Kanalfahrt ist eigentlich eher langweilig. Die Landschaft wechselt sich kaum ab, dafür gibt es hier keine Welle und wir kommen gut voran. Gegen 13.00, nach 31,4 km, sind wir bei der Marina für Motorboote bei Uelzen. Dort sitzen wir beim Anlegen erst mal kurz fest, kommen aber kurz danach aus eigener Kraft wieder frei und können dann am vorderen Steg längsseits fest machen. Björn dagegen verliert bei Anlegen in einer Box eine Leine, die sich schön fest um die Schraube wickelt und so den Motor abwürgt. So ein Pech! Aber auch hier ist der Hafenmeister sehr hilfreich und besorgt für 18.00 einen Taucher, der die Schraube von ÄLVAN wieder von der Leine befreit.

Wir genießen den schönen Nachmittag - mittlerweile ist auch die Sonne hervorgekommen und die Temperatur ist auf Ende 20° gestiegen. Abends wird an Land gegrillt.

 

Mittwoch, 06.07.2011

 

Um 10:00 laufen wir aus und haben kurze Grundberührung in der Ausfahrt. Dann geht´s ruhig mit guten 6 kn Richtung Schleuse Uelzen (die einzige Schleuse auf diesem Kanal). Nach einer halben Stunde sind wir bei der Schleuse und können sofort einlaufen. Hier geht es noch einmal 23 m hoch. Hervorragend ist, dass in der Schleusenmauer Schwimmpoller eingelassen sind, sodass wir dort bequem festmachen können und nicht auf die Leinen achten müssen. Auch diese Schleuse ist schon ein Highlight. Nachdem wir oben angekommen sind folgt eine mehr oder weniger eintönige Kanalfahrt. Wir lösen uns stündlich am Ruder ab, sodass man auch mal etwas Ruhe hat. Kurz vor der Abzweigung in den Mittlelland-Kanal zieht von vorne eine Gewitterwand auf und ich muss ganz schnell ins Ölzeug. Dann gießt es so 15 Min. mit sehr starken Böen, und schon scheint wieder die Sonne. So ist das nun mal mit dem Wetter. Um 17.20 sind wir dann im Yachthafen in Abbesbüttel (der ist noch im Bau) nach guten 76 km fest. Auch hier gibt es ausser Strom keine Versorgungsmöglichkeiten. Aber wir haben ja auch alles erforderliche an Bord. Zu Abend speisen wir dann alle auf THORBJOERN.

 

Donnerstag, 07.07.2011:

 

Heute brennt die Sonne gnadenlos mit knappen 30° vom Himmel. Man gut, dass wir unser Bimini haben! Nach dem Frühstück legen wir um 10:00 wieder ab und absolvieren unsere tägliche Kanaltour. Der Mittelland-Kanal ist in diesem Abschnitt eher etwas kappelig. Vor uns liegt noch die Schleuse Anderten, kurz vor Hannover, wo wir 15 m nach unten geschleust werden. Wir bereiten endsprechende Leinenlängen vor, sodass wir beim Schleusen auf der sicheren Seite sind. Vor der Schleuse müssen wir noch kurz festmachen, bevor wir hineingerufen werden.

Dann geht es zusammen mit einem Binnenschiff, das vor uns liegt abwärts. Alles klappt hervorragend. Um 15:00 sind wir wieder raus und fahren noch ein kurzes Stück, bis wir den Stichkanal Misburg erreichen. Dort geht es in einen schmalen Kanal ca. 2 km bis zur Marina Misburg, wo der Hannoverische Motorclub sein Domizil hat. Auch dort werden wir sehr nett empfangen und bedient. Tagesetmal: 58,9 km. Abends wird am Grillplatz Fisch geräuchert und verspeist. Super coole Geschichte!

 

Freitag, 08.07.2011:

 

Heute wollen wir bis Minden, sind etwa 70 km. Das Wetter ist eher bewölkt, klart aber später noch auf und wird vor allem wieder schön warm. Um 10:00 geht´s wieder los. Lösen uns mehrfach am Ruder ab. Ansonsten eher ein eintöniger Törn.

In Minden angekommen kreuzen wir die Weser, d. h. wir fahren über die Weser hinweg. Das hat doch was! Es erweist sich aber als etwas schwierig einen vernünfigen Liegeplatz zu finden. Schlußendlich finden wir eine Marina etwas hinter Minden im Stadtteil Minden-Hahlen. Tagesetmal: 75 km. Nun haben wir noch ca. 100 km vor uns, bis wir in den Dortmund-Ems-Kanal kommen.

Hier in der Marina bleiben wir übers Wochenende bis zum Dienstag, da wir auf Freunde von Björn warten, die ihn für eine Woche begleiten wollen, bevor seine Frau dann eine Woche später kommt. Aber wir werden die Zeit nutzen und noch ein paar Sachen am Schiff machen, einkaufen etc. Langeweile herrscht bei uns sowieso nicht.

Seit Hamburg haben wir nun schon ca. 350 km zurückgelegt und zwar mit einer Motorlaufzeit von ca. 33 Std. Bis zum Rhonedelta sind es jetzt nur noch etwa 1.750 km.

 

Samstag, 09.07. - Montag, 11.07.2011

 



In Minden verbringen wir bei schönstem Wetter das verlängerte Wochenende mit Chillen,  Einkaufen, Motorwartung, d. h. Ölwechsel, Wechsel von Öl-, Kraftstoff-filter, Austausch Impeller und Keilriemen etc. Auch Diesel muss bei nächster
Gelegenheit gebunkert werden. Aber das scheint hier auf den Kanälen etwas
schwierig zu werden. Die nächste Möglichkeit scheint es erst nach der Schleuse
bei Münster zu geben. Die Freunde von Björn treffen Montag späten Nachmittag
ein und somit kann es morgen früh weiter gehen.

 

Dienstag, 12.07.2011

 



Heute morgen (gegen 10:00) ist es mal bewölkt bei 20°C. Wird aber später
noch etwas wärmer. Um kurz nach 10:00 legen wir ab und machen uns auf den Weg  weiter in Richtung Münster. Die Routine nimmt wieder die Hauptrolle des Tages  in Anspruch, 1 Std. steuern, dann ist der nächste dran und man hat ein
Stündchen Zeit, um sich die eintönige Landschaft anzuschauen oder sich mit
etwas anderem zu befassen. Dann ist man wieder mit dem Steuern dran usw. Kurz
vor der Abzweigung zum Dortmund - Ems - Kanal machen wir um 18:00 in der Marina Recke fest. Tagesetmal: 86,3 km. Nach dem Abendessen laufen wir noch ´ne Runde  um einen See in ummittelbarer Nähe. Gibt aber nichts besonderes zu sehen. Wir  befinden uns eben mitten auf dem Land fern von irgendwelchen Attraktionen.

 

Mittwoch, 13.07.2011

 



Unser Auslaufrythmus hat sich bei 10:00 eingependelt. Heute wollen wir nach
Münster und, wenn möglich dort Diesel bunkern. Gegen 11:20 gelangen wir an die
Abzweigung zum Dortmund - Ems - Kanal und biegen links ab. Was sehen meine
endzündeten Augen? Eine Bunkerstation für Diesel. Wir also dort festgemacht und
müssen dann aber erfahren, dass es dort nur zollfreien Diesel für die
Berufsschifffahrt gibt und keinen Diesel für uns arme Sportbootfahrer. Also
Leinen wieder los und weiter. Kurz danach sind wir dann vor der Schleuse und
dürfen auch, ohne lange warten zu müssen, einlaufen. hier geht´s dann mal
wieder ca. 8 - 9 m nach oben. Nachdem wir aus der Schleuse raus sind kommt dann  das ersehnte Bunkerboot in Sicht! Nachdem wir dort längsseits gegangen sind -  die nicht so erfreuliche Nachricht: Für 1 Ltr. Diesel verangt man € 1,60, was
für ein Wucher!!! Aber uns bleibt ja nichts anderes übrig, als in den sauren
Apfel zu beißen, wenn wir nicht Unmengen von Diesel per Fahrrad und Kannister
von irgendeiner wer weiß wie weit entfernten Tankstelle heranschaffen wollen,
um so ein paar Euro zu sparen. Wir tanken letztendlich 170 Ltr. und fahren dann
mit vollen Tanks weiter nach Münster, wo wir um 16:40 im Stadthafen festmachen.
Hier tobt zwar das Leben, aber nirgends wird das Damenspiel gegen Japan (wir
haben leider mit unserem Gerät kein Empfangssignal) öffentlich übertragen. Ist
am Ende ja auch nicht so schlimm, da die Germanischen Damen eh verlieren.
Nachdem wir uns nochmals die Dieselbunkerarie durch den Kopf haben gehen lassen und den Durchschnittsverbrauch seit Abfahrt in Wedel ausgerechnet haben, kommen wir zu folgendem Ergebnis, das uns etwas versöhnlicher stimmt: Dieselverbrauch im Durchschnitt 3,6 Ltr. pro Std. für ca. 10 km Wegstrecke. Das ist der bislang beste Durchschnittswert, den wir je hatten. Das stimmt uns etwas versöhnlicher.
Eine reine Fahrt unter Motor hat eben ihren Preis. Tagesetmal: 53,1 km.

 





Donnerstag, 14.07.2011

 

Heute ist es stark bewölkt und der wind weht böig aus W-SW.
Aber wenigstens ist es trocken. Unserer bisherigen Zeit des Ablegens bleiben
wir treu und laufen gegen 10:00 aus. Auch der Dortmund-Ems-Kanal zeigt sich landschaftlich nicht als besonders interessant. Kanal ist eben Kanal und kein Erholungsgebiet. Da müssen wir halt durch. Gegen 14:30 sind wir dann an der Abzweigung zum Weser-Datteln-Kanal und biegen rechts ab. Kurz danach sind wir vor der 1.
Schleuse. Hier geht es 7,5 m runter. Das Schleusen geht mehr oder weniger in
die Hose. Ebenso die 2. Schleuse mit der gleichen Fallhöhe bringt Probleme mit
den Leinen. Wir müssen erst wieder einen vernünftigen Schleusenrythmus finden. Am späten Nachmittag fängt es dann auch noch an zu regnen. Heute ist wirklich
nicht unser Tag! Um 16:30 sind wir dann endlich fest im Hafen Flaesheim und
können uns so langsam wieder entspannen. Etmal heute: 56,1 km. Hafenkosten: EUR 16,00.

Fazit: schwarzer bis grauer Tag, könnte aber auch anthrazit gewesen sein.

 

Freitag, 15.07.2011

 

Das Wetter hat sich noch verschlechtert, wenn man das so sagen kann. Es regnet und ist sehr kühl mit 14,7°C. Wir warten also bis der Regen sich verzieht und starten erst um 11:30. Vor der Schleuse in Flaesheim müssen wir etwas warten, dann können wir endlich rein. Hier geht es nur 4,5 m runter und wir haben heute keine Probleme. Weiter geht es mit der eintönigen Kanalfahrt bis Friedrichsfeld an einem Liegeplatz direkt vor einer viel befahrenen Eisenbahnbrücke. Alle paar Minuten kommt ein Zug herüber gedonnert. Das gute an dem Platz ist, dass es in unmittelbarer Nähe super Versorgungsmöglichkeiten gibt. Die Crew von ÄLVAN macht sich auch sogleich auf den Weg, um die Supermärkte leer zu räumen. Wir verschieben das auf morgen, da wir hier eh auf Asa und ihre beiden Töchter warten wollen, die am späten Samstag Nachmittag per Auto eintrudeln. Björns Freunde fahren dann am Sonntag mit dem Auto wieder zurück.

 

Samstag, 16.07.2011

 

Es ist wieder ganz schön kühl am frühen morgen. Wo ist bloß der Sommer geblieben? Nach dem Frühstück fahren Rita und ich mit den Rädern zum
Einkaufen. Der Ort ist ganz niedlich und es ist gerade Wochenmarkt. Wir finden
alles, was wir benötigen bei Edeka, Netto und einem türkischen Gemüseladen.
Dann geht es wieder zurück an Bord. Mittlerweile hat sich auch das Wetter etwas
gebessert und die Temperaturen sich knapp über 22°C eingependelt. Auch die
Sonne schaut ab und zu vorbei. Heute Abend soll für alle Hühnchenbrust gegrillt
und Lachs-/Marlinsteaks geräuchert werden. Das Empfangsessen für Asa und die
Mädels dann auf THORBJOERN statt, da es mittlerweile wieder super toll regnet.
Die Engländer bezeichnen das ja als „it´s pissing cat & dogs“!!! Es ist zwar ein bisschen eng mit 8 Leuten bei uns, aber es passt dann doch irgendwie. Ein netter Abend und wir haben viel Spaß mit einander.

 

Sonntag, 17.07.2011

 

Heute Morgen hat der Regen endlich wieder aufgehört und die Sonne zeigt sich ab und zu einmal. Gegen 10:00 verabschieden sich Marie & Per und machen sich mit ihrem Auto auf die Heimfahrt nach Schweden. Um 10:50 fahren auch wir weiter. Als erstes müssen wir durch die letzte Schleuse im Weser-Datteln-Kanal bei Friedrichsfeld. Hier müssen wir leider 1 ¼ Std. warten, bevor wir in die Schleuse dürfen. Um 13:30 sind wir dann durch und fahren kurz danach rechts in den Rhein. Hier haben wir Strom mit und zwar knapp 6 km/Std., sodass wir über Grund eine Geschwindigkeit von ca. 18 km/Std. laufen. Das bringt ordentlich was. Auf dem Rhein ist es doch kippeliger, als auf den Kanälen. Die Berufsschifffahrt fährt da, wo sie gerade lustig ist. Das macht die Sache nicht eben einfacher. Aber wir kommen toll voran und sind dann so gegen 16:30 im Yachthafen von Emmerich fest. Etmal: 44,2 km.

 

Montag, 18.07.2011

 

Für heute lautet unser Ziel Holland, mal sehen, wie weit wir kommen. Es ist sonnig bei 18°C, als wir gegen 10:30 ablegen und uns wenig später wieder auf dem Rhein befinden. Um 11:15 passieren wir die Grenze bei Lobith und sind in Holland. Um 11:30 verlassen wir den Rhein und fahren links in die Waal. Hier ist noch mehr los, als auf dem Rhein. Die Binnenschiffe zeigen ihre blauen Tafeln und fahren mal links mal rechts, um die Strömung am besten ausnützen zu können. Da muss man ganz schön aufpassen. Außerdem schaukelt es manchmal so doll, dass Hexe seekrank wird. Um 12:40 verlassen wir die Waal und biegen links in den Maas-Waal-Kanal ein. Unmittelbar danach kommt eine Schleuse, die uns ca. 1 m hoch hebt. Dann wird es total ruhig. Kein Geschaukel mehr, allerdings auch keinen Strom mehr, der uns schneller vorantreibt. Um 14:07 sind wir an der Abzweigung, wo es in die Maas geht. Die Maas zeigt sich als ein ruhiger breiter Strom, auf dem es sich doch recht
gemütlich mit 6,5 kn fahren lässt. Auch landschaftlich scheint sich hier einiges zum Guten zu wenden. Hier und da passieren wir nette Ortschaften und Wochenendhäuser direkt am Wasser. So gibt es wenigstens mal was neues zu sehen. Um 17:40 sind wir im Yachthafen von Wanssum fest. Jetzt gibt es erstmal einen Anleger, bevor wir uns ans Abendessen machen. Etmal heute: 78 km, eine ganz gute Strecke!

 

Dienstag, 19.07.2011

 

Es scheint heute Morgen mal wieder die Sonne, welch angenehme Überraschung. Nach dem Frühstück marschiere ich noch schnell zum nahe gelegenen Supermarkt, um noch Fisch zum Räuchern zu kaufen. Dabei fallen noch ein paar Dosen Bier für den Skipper ab. Um 10:30 verholen wir an die Bunkerstation und nehmen dort 92,1 Ltr. Diesel. Die Tanks sind nun wieder voll. Unser letzter Durchschnittsverbrauch liegt etwas höher, als der vorherige, bei 3,78 Ltr./Std., das liegt aber an der etwas höheren Drehzahl, die wir auf der letzten Etappe hatten. Um 10:50 machen wir die Leinen los und gehen wieder auf die Maas zurück. Mal sehen, wie weit wir heute kommen. Unterwegs gibt es einiges zu sehen. Schöne Einfamilien-häuser am Wasser, herrlich angelegte Gärten und ab und zu passieren wir auch niedliche kleine Orte. Gegen 15:30 passieren wir den Ort Hanssum und kurz darauf taucht an backbord ein kleiner See mit Yachthafen auf. Wir entschließen uns dort einzulaufen und unsere heutige Tagesetappe zu beenden. Immerhin sind wir ja nun schon wieder gute 5 Std. unterwegs. Um 15:45 sind wir dann fest und können so noch den Nachmittag genießen. Ich versuche mich mit Angeln (kein Erfolg), Rita macht einen Ausflug in das nahe liegende Dorf, was sehr schön sein soll. Abends fängt es dann wieder an zu regnen, aber wir sitzen ja im trockenen. Etmal: 43,1 km.

 

Mittwoch, 20.07.2011

 

Heute ist Björn´s 70 igster Geburtstag!!! Um 09:30 stehen wir mit brennenden Wunderkerzen und einem kleinen Geschenk vor ÄLVAN und bringen unser Geburtstagsständchen. Dann geht´s wieder weiter. Drei Schleusen liegen noch vor uns bis Maastricht, unser heutiges Tagesziel. Morgens ist es erst bewölkt und diesig, klart aber im Verlauf des Tages immer mehr auf. Die Schleusen machen nicht viel Arbeit, obwohl wir zu Berg gehen, teilweise 12 m hoch. Gegen 17:00 sind wir dann mitten in der Stadt an einer Pier fest, müssen aber nach ein paar Stunden später auf ausdrücklichen Wunsch der belgischen Wasserschutzpolizei diesen Ort wieder verlassen und zwei Kilometer weiter in einen offiziellen Yachthafen - St. Pieter - verholen. Dort fängt es dann auch noch an zu regnen. Abends gehen wir mit Björn und seiner Crew essen (Geburtstagsmahl!!!).

Tagesetmal: 52,6 km

 

Donnerstag, 21.07.2011

 

Heute machen wir mal Pause und bummeln durch Maastricht. Björn & Asa bringen ihre Mädels auf den Heimweg und neue Gäste werden morgen erwartet auf ÄLVAN, Asa´s Schwester mit Mann. Abends räuchern wir Lachs und Viktoriabarsch - super lecker, ach ja, die Hähnchenkeulen dürfen nicht ungenannt bleiben.

 

Freitag, 22.07.2011

 

Nachdem alle Gäste von und noch nicht wieder an Bord sind, geht es heute weiter Richtung Liege (Lüttich). Wir faheren voraus, ÄLVAN will nachkommen, sobald die Crew wieder vollständig ist. Um 11:00 laufen wir aus und haben dann auch bald schon die 1. Schleuse zu fassen (le Petit Lanaye). Hier geht es 13 m hoch, jedoch nicht ohne Probleme, denn vor uns ist ein großes Binnenschiff, das seine Schraube ordentlich rühren läßt und uns an die Schleusenmauer presst. Kleinere Schrammen an der Scheuerleiste sind die Folgen. Des weiteren müssen wir hier die Schiffspapiere vorzeigen und bekommen irgend so ein Formular von den Belgiern, dass  eh keiner lesen kann. Dann geht es weiter, bis wir kurz vor Liege in einem kleinen Seitenarm einen Hafen entdecken, in dem wir bleiben können. Björn fährt dann später an uns vorbei bis nach Lüttich hinein.

Wir machen uns Abends ein leckeres Antipasti mit allerlei, was noch so an Bord ist. Superklasse war das! Etmal: 26.5 km

 

Samstag, 23.07.2011

 

Heute nur Kurztour bis in den Stadthafen von Lüttich, wo Björn und Asa liegen. Sie haben Probleme mit dem Wellenflansch und es muss ein Reparaturtag eingelegt werden. Wir nutzen den Tag mit Einkaufen und Homepagepflege, da wir hier auch WLAN - Verbindung haben. Etmal: 4,4 km - "die Marathonstrecke!!!

 

Sonntag, 24.07.2011

 

Das Wetter ist kalt (12,5°C um 07:30) und teils nieselt es. Macht eigentlich nicht viel Spass zu starten und wieder auf die Kanalpiste zu gehen. Aber wir wollen weiter! Nach dem Frühstück also warm angezogen und raus um 09:30. Die erste Wegstrecke ist ätzend, nur Industriegebiet und teilweise ein abartiger Gestank. Aber nach so 1,5 Std. Fahrtzeit sind wir raus aus diesem Gebiet und die Landschaft verändert sich merklich. Schleuse um Schleuse (5 insgesamt) werden wir hochgehoben, immer so 4,5 m) und links und rechts kommen die Bergketten immer näher. auch der graue Himmel verabschiedet sich immer mehr und so langsam kommt sogar die Sonne durch und die Temperaturen steigen auf 18-19°C. Das ist doch schon etwas. Gegen 17:00 sind wir in Namur direkt in der Stadt an einer Pier fest. Ein Anleger folgt und dann bereiten wir so langsam das Abendessen vor.

Immerhin haben wir heute knappe 65 km geschafft.

 



Montag, 25.07.2011:

 

Morgens ist es erst einmal bewölkt. Die Temperaturen liegen bei 15°C. Ist das wirklich Sommer? Gegen 10:15 sind wir startklar und legen ab. Vor uns liegen 5 Schleusen bis zum heutigen Etappenziel, dem Ort Dinant. Die 1. Schleuse
kommt nach gut einer ½ Stunde in Sicht. Hier geht es 1,5 m nach oben, kein
Problem führ uns. Dann folgen die nächsten Schleusen so in Abständen von ca. 1
Std., sodass wir die letzte für heute um 14:45 geschafft haben. Insgesamt sind
wir 10,30 m höher gestiegen. Die Wolken haben sich im Verlauf des Tages auch
zurückgezogen und nun ist es sonnig mit Temperaturen um 22°C. Gerade richtig,
um um 15:00 am Que de Dinant festzumachen. Tagesetmal: 27,8 km.

 

Dienstag, 26.07.2011:

 

Wir sind immer noch in Belgien, doch das soll sich heute ändern. Das 3. Land, dass wir auf unserem Weg zum Mittelmeer passieren müssen steht auf dem Tagesplan – Frankreich mit Ziel die Stadt Givet! Um 10:00 starten wir bei 18°C und bewölktem Wetter. Immer noch zu kalt für diese Jahreszeit. Man muss sich schon gut einpacken, um nicht zu frieren. Aber was soll´s, wir sind ja nicht zu unserem Vergnügen hier, sondern wollen in wärmere Gefilde, nämlich ins Mittelmeer. Aber erst einmal haben wir wieder ein paar Schleusen vor uns, die uns zwischen 2 und 3 m hochheben sollen. Kurz vor den Schleusen müssen wir immer in einen kleinen Seitenkanal abbiegen, da die Maas (heißt hier Meuse) keine Schleusen hat, sondern Sperrstufen, wo das Wasser dann wie auf einer Treppe herunter läuft. Kurz vor der 5. Schleuse passieren wir die Grenze Belgien/Frankreich und wechseln um 13:30 die Gastlandflagge. In der 5. Schleuse müssen wir wieder die Bootspapiere präsentieren und eine Vignette, Gültigkeitsdauer: 30 Tage, Preis: 128,00) kaufen, damit wir die französischen Kanäle befahren dürfen. Wir bekommen auch eine Fernbedienung für die weiteren Schleusen, die bis Toul automatisiert sind. Mal schauen, wie wir damit zurechtkommen. Um 14:45 machen wir im Sportboothafen von Givet fest. Ein netter kleiner Ort, wo wir den kommenden Tag bleiben wollen, da es hier auch Waschmaschinen und Trockner gibt. Etmal: 25 km.

 

Mittwoch, 27.07.2011:

 

Der Vormittag zeigt sich stark bewölkt mit Nieselregen. Dazu ist 16°C warm. How cool ist hat? Wir satteln die Fahrräder und fahren trotzdem zu einem Einkaufscenter, das ungefähr 2 km vom Hafen entfernt liegt. Dort hoffen wir eine nationale SIM-Karte für´s Handy zu bekommen, als auch einen USB-Stick für die Internetverbindung mit dem Notebook. Aber leider hat der dortige Telefonshop diese Sachen nicht. Also kaufen wir nur Lebensmittel ein und radeln im Nieselregen wieder zurück. Rita kümmert sich dann später um die Wäsche und ich demontiere noch ein paar Dinge (oberstes Stück vom Schornstein, Windgenerator und nehme das Bimini ab), damit wir unsere absolute Höhe etwas verringern, um sicher den 1. Tunnel am nächsten Tag passieren zu können. Am späten Nachmittag kommt dann auch mal die Sonne zum Vorschein und die Temperaturen klettern auf 22°C. Für das Wochenende hat sich Philipp mit Familie zu Besuch angekündigt. Wir freuen uns natürlich, finden den Weg von Frankfurt nach Frankreich (immerhin etwas über 400 km) für ein normales Wochenende eigentlich zu weit.

 

Donnerstag, 28.07.2011:

 

Heute ist es erst noch am frühen Morgen bewölkt, dann reißt aber bald die Wolkendecke auf (09:30) und die Sonne kommt durch. Kurz vor 10:00 legen wir ab und machen uns auf den Weg für eine neue Klettertour per Schleusen gen Himmel. Die 1. Schleuse lässt nicht lange auf sich warten (Hub: 3,5 m) und dann kommt gleich der Tunnel von Ham. Das ist schon ein Erlebnis, in ein 560 m langes dunkles Loch hinzufahren, dass nur 5,80 m breit und 3,60 m hoch ist und oben rund ausläuft, da heißt die max. Höhe gibt es nur in der Mitte des Tunnels. Aber alles läuft glatt und am Ende sieht man ja ein helles Licht – das Ende des Tunnels. Die  Landschaft wird immer schöner. Links und rechts liegen die Bergzüge der Ardennen und kleine Ortschaften, Ferienhäuser und Campingplätze säumen die Uferzonen und ziehen an uns vorüber. Es folgen noch 8 weitere Schleusen und ein kürzerer Tunnel, dann sind wir um 17:00 am Anleger von Revin fest und zwar längsseits am Motorboot von Rainer aus Aachen mit seinem Glatthaar Foxterrier Rüden namens Max. Hier wollen wir das Wochenende zusammen mit Phil, Maritza und Vivian verbringen.
Heute haben wir 8 Schleusen mit einem Gesamthub von 23,45 m sowie 2 Tunnel
passiert. Etmal: 36,5 km, eine ganz gute Leistung, wie wir finden und das Ganze
in guten 7 Std.

 

Wochenende, 29. – 31. 07. 2011:

 

Am Freitag Vormittag holen wir uns in einem nahe gelegenen Telefonshop
unsere nationale SIM-Karte für das Handy und einen Surfstick für das Notebook.
Die Installation des Surfsticks dauert die nächsten Stunden, da alles nur auf
französisch beschrieben wird. Das ist schon übel, wenn man die Sprache nicht
versteht. Ein Problem gibt es dann auch prompt mit der weiteren Aufladung des
Surfsticks über das Internet. Aber heute Abend kommt Philipp ja, der wird es schon richten können denke ich so. Die Frankfurter treffen dann so gegen 23:00 ein. Großes Hallo und so, kleiner Snack und Klönschnack, dann wird die Koje gebaut und alle begeben sich in die Horizontale. Vivian hat unterwegs das Auto voll gespuckt. Muss morgen dann irgendwie wieder saubergemacht werden.

Am Samstag wird erst einmal ausgeschlafen und gut gefrühstückt. Das Wetter ist wieder grau in grau. So´n Mist. Phil versucht sich am Notebook mit der Aufladung des Internet Accounts, hat aber leider auch keinen Erfolg, sodass wir das Ding wieder zurückbringen und uns das Geld wiederholen. Abends wird dann geräuchert und gegrillt. Das Wetter ist auch etwas besser geworden. Danach kommen Asa und Björn auf einen Kaffee/Whiskey und später folgt noch eine Runde Karten. Die Männer haben leider zur Freude der Frauen verloren!

Sonntag ist das Wetter etwas besser, sodass wir am frühen Nachmittag das Schlauchboot klarmachen und ´ne Runde fahren. Gefällt Vivian sehr. Gegen 16:00 gibt es dann noch etwas zu essen für die Frankfurter und um 17:30 geht es dann auf die Heimfahrt. War ein superschönes Wochenende!