August 2011

Montag, 01.08.2011:

 

Man glaubt es kaum. Der Herbst ist da! 10°C um 08:00, Nebel auf dem Wasser! Die Berge sind so gut wie gar nicht zu sehen. Doch um 10:00 ist der Nebel verschwunden, die Sonne scheint vom klarblauen Himmel und die Temperaturen sind auf Anfang 20°C gestiegen. Wir legen ab und machen uns wieder auf die Reise nach Süden. 4 Schleusen mit knapp 9 m Hub liegen heute vor uns, bis wir um 13:45 an der Halte de Chateau-Regnauldt (ein kleiner Steg in einem kleinen Dorf) festmachen. Nun wird erst einmal in der Sonne relaxed. Das haben wir uns auch verdient. Das schöne Wetter muss man einfach nutzen! Etmal: 24,2 km. Abends wird draußen gegessen, ist noch schön warm mit 23,6°C.

 

Dienstag, 02.08.2011:

 

Wat für ´ne Nacht. Wache um 04:30 auf und kann nicht wieder einschlafen. Also hoch, unter die Dusche, Kaffee gekocht, ein Brot geschmiert und Logbuch geschrieben. Hexe kommt gegen kurz nach 05:00 klitschnass von Land. Ist wohl in den Bach gefallen. Kurz nach 08:00 steht Rita dann auf und ich mache Frühstück. Mittlerweile hat sich auch der Bodennebel verabschiedet und die Sonne ist durch-gekommen. Die Temperaturen sind von 8° auf 18°C angezogen! Das wird wohl ein richtig schöner Tag! Um 09:55 legen wir ab und stehen kurz darauf vor der 1. Schleuse, die uns 3 m hochhebt. Es folgen noch 2 weitere mit insgesamt 3,5 m, also "easy going". Um 13:00 sind wir fest im zentralen Privathafen von Charleville-Mizieres, einem netten Städtchen. Nachdem die größte Hitze vorbei ist, fahren wir mit den Rädern ins Stadtzentrum zum Bummeln, Einkaufen,  Eis essen und besorgen uns einen neuen Surfstick. Hoffentlich klappt der nun. Abends wird gegrillt. Es sind immer noch gute 23°C! Etmal: 18,8 km

 

Mittwoch, 03.08.2011:

 



Schon um 07:30, noch in der Koje, hören wir den Regen. Wir können uns also ein wenig Zeit lassen. Doch um 09:45 hat es aufgehört zu regnen und von Westen wird es klarer. Wir beschließen doch noch weiter zu fahren. Um 10:15 sind wir dann soweit. Heute haben wir bis zum Etappenziel Sedan 6 Schleusen vor uns mit einem Höhenunterschied von 10,5 m vor uns. Unterwegs gibt es immer wieder kurze Schauer, aber knapp 20°C lassen uns wenigstens nicht frieren. Es ist auszuhalten. Vor der letzten Schleuse zeigt sich leider, dass diese nicht auf unsere Fernbedienung reagiert. Nach einer guten 1/2 Std. rufen wir den Schleusenwärter an, der dann die Schleusung persönlich einleitet. Um 15:30 machen wir in dem Yachthafen des Ortes fest. Ich repariere erst einmal unseren Flaggenstock, den Björn uns in einer Schleuse abgebrochen hat. Etmal: 30,4 km.

 

Donnerstag, 04.08.2011:

 



Der Tag beginnt neblig, feucht bei 16°C. Es ist grau in grau, aber wenigstens trocken. Wir starten wieder gegen 10:00 und wollen bie zum kleinen Ort Stenay. Dort soll ein Biermuseum sein, dass sich Rita und Björn gerne anschauen wollen. Für mich ist das nicht so interessant, ich trinke das Bier lieber! Wir passieren heute 5 Schleusen mit einem Gesamthub von 13 m. Die Landschaft wechselt zwischen "oh, wie wunderbar" und teils etwas eintönig. Die Schleusen bringen jedoch immer wieder Abwechslung. Bei der 3. Schleuse haben wir um 13:00 Bergfest. Die Hälfte der Distanz zum Mittelmeer mit 1.050 km ist erreicht. Das wird heute Abend mit einem Gläschen Sekt begossen! Um 15:35 sind wir im netten Hafen von Stenay fest. Die Temperaturen liegen bei 28°C, die Sonne scheint. Erst gegen Abend bezieht es sich wieder und es tröpfelt ab und zu. Etmal: 41,3 km.

 

Freitag, 05.08.2011:

 

Der heutige Morgen verläuft für mich ziemlich gemütlich ab. Rita, Asa & Björn sind um 10:00 ab ins Biermuseum und ich kann mal wieder Logbuch schreiben. Wetter: schwül, bewölkt, erst ab Mittag klart es auf bei 27°C. Gegen 13:00 sind alle wieder da und wir beschließen weiter zu fahren, obwohl es Björn nicht gut geht. Er hat sich wohl irgendein Virus eingefangen, meint aber wir könnten noch eine kurze Strecke fahren. Also los! Wir absolvieren noch 4 Schleusen, finden dann endlich eine Tankstelle am Wasserweg. 15:00 also stop und schnell die Tanks voll (139,8 Ltr. Diesel fließen in Thorbjoerns Bauch!). 15:50 weiter bis Pont d`amarrage Dun-Sur-Meuse, ein kleiner Ort kurz nach der Bunkerstation. 16:00 liegen wir an einem Steg mit Wasser, Strom bei einem Campingplatz fest vertäut. Etmal: nur 13,6 km, aber besser, als gar nichts. Björn ist ziemlich fertig und legt sich gleich lang. Rita erkundet per Rad den kleinen Ort, ich hole die Angeln raus, nachdem ich vorher an Land ein paar Würmer ausgebuddelt habe. Tja, der Erfolg bleibt leider aus, obwohl ich immer wieder jede Menge Fische ums Boot schwimmen sehe. Mache wohl irgendwas falsch! Abends fängt es dann wieder an zu tröpfeln.

 

Samstag, 06.08.2011:

 





Es hat fast die ganze Nacht geregnet. Der Luftdruck ist erneut gefallen. Ich habe mal gerade Zeit mit dem Rad zum Einkaufen zu fahren, bevor es wieder anfängt mit dem Regen. Björn geht es noch nicht viel besser und wir beschließen für heute hier zu bleiben. Den ganzen Tag über gibt es immer wieder Schauer, sodass wir es uns im Boot gemütlich machen. Vielleicht ist es ja morgen wieder trocken und schöner. Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, auch mit Björn nicht.

 

Sonntag, 07.08.2011:

 



Eigentlich sollte der Sonntag ja ein Tag der Ruhe sein! Björn geht es schon etwas besser und er meint wir könnten ruhig weiter fahren. Dafür habe ich seit heute morgen Schmerzen in der linken Hand. Wird wohl eine Sehnenzerrung oder so was ähnliches sein! Also Voltaren raus und rauf auf die Hand, Bandage rum und fertig ist das Ganze. Wetter? Sonne, wohl kaum! Regen, bewölkt schon eher. Keiner weiß so genau, was das so werden soll. Um 09:30 starten wir und machen uns auf den Weg. Tagesziel ist für heute Verdun, die geschichtträchtige Stadt aus den Weltkriegen. Auf dem Weg liegen 9 Schleusen, die mit einem Gesamthub von 23m zu bewältigen sind. Aber alles läuft ziemlich reibungslos ab. Sind ja auch mittlerweile Schleusenprofis geworden. Nach 41,7km sind wir im Stadthafen von Verdun um 16:45 fest. Das langt auch für heute!

 

Montag, 08.08.2011: 





 

Die breite Palette "Wetter" zeigt sich heute von der besten Seite: 14,6°C  morgens, später leichter Temperaturanstieg, ansonsten Schauer und sonnige Abschnitte. Björn geht es noch nicht so richtig besser, hat immer noch Magenkrämpfe. Aber wir wollen sowieso einen Hafentag einlegen und ein wenig in Verdun rumbummeln. Müssen noch so einiges besorgen, insbesondere den Surfstick aufladen lassen, da das über´s Internet mal wieder nicht geklappt hat. Finden auch einen Orange France Laden, wo das dann sogar hinhaut. Super, nun können wir wenigstens wieder online gehen. Nachmittags macht sich Rita nochmals in die Stadt weg. Sie hat eben Hummeln im Hintern, oder, wie der Hamburger zu sagen pflegt, im Mors. Abends sitzen wir dann noch ein wenig bei Kaffee, Tee und Kuchen bei uns an Bord zusammen.

 

 

Dienstag, 09.08.2011:

 



12,5°C am frühen Morgen nebst Regenschauern, was will man im August eigentlich mehr? Beim Frühstück fährt ein Pferdegespann und sammelt die Müllsäcke an der  Straße ein, das glaubt man kaum, fast, wie im Mittelalter. Meine Hand ist schon etwas besser geworden und um 09:45 geht es dann auch weiter, nachdem auch Björn sein OK gegeben hat. Der Regen nimmt immer mehr zu und wir ziehen unsere 5 Pflichtschleusen mit 13,5m nach oben mit Todesverachtung in teils strömendem Regen durch. Nach 14,1km haben wir jedoch um 12:35 die Nase voll, zumal es Björn schon wieder schlechter geht. Also machen wir an einem Anleger in Dieue sur Meuse fest. Raus aus den nassen Klamotten und ´ne schöne Tasse Kaffee.

 

Mittwoch, 10.08.2011:

 

Der Hammer: 7,6°C am frühen Morgen um 08:00 und...Nebel auf dem Wasser! Was soll das denn nun werden? Doch während wir frühstücken kommt so langsam die Sonne durch und es wird dadurch auch wärmer. Mittags haben wir 27°C erreicht und es ist heiter bis sonnig. Um 09:40 starten wir allerdings noch bei 11°C, leichter Nebel liegt noch auf dem Wasser, sodass alles etwas gespentisch wirkt. Björn hat sich mittlerweile fernmündlich an seinen Arzt in Schweden gewandt, der nach einer Ferndiagnostik Antibiotika empfohlen hat. Es geht ihm nun schon merklich besser. Es stehen heute 4 Schleusen auf dem Programm, die uns 8,9m hochhieven. Nach 24,1km machen wir um 13:20 in Saint Mihiel im Stadthafen fest. Da das Wetter richtig klasse gewordenen ist, fahren wir zum nächsten Supermarkt und kaufen was zum Grillen ein. Abends sitzen wir dann alle zusammen mit den Dänen Dorte & Björne und lassen es uns so richtig gut gehen. Ein sehr netter Abend! 

 

Donnerstag, 11.08.2011:

 

Na endlich kommt auch morgens mal ein bißchen Sommer durch: 08:00 15,3°C mit schnell steigender Tendenz und klarblauer Himmel. Mittags dann die 30° Marke geknackt! Aber leider fällt der Luftdruck schon erneut, sodass wohl das Wetter wieder schlechter werden wird. Ablegen um 10:00, und sofort sitzen wir auf Schiet. Ist verdammt flach hier an der Kai! Aber, Thor sei Dank nur Schlamm, sodass wir uns alleine wieder frei baggern können. Danach, hinter der nächsten Kurve taucht die 1. von insgesamt 4 Schleusen (alles in allem gehen wir an diesem Tag 12m nach oben) auf. Die Fernbedienung kommt wieder zum Einsatz und das gemütliche Schleusen mit Bedienungspersonal hat vorerst ein Ende. Wir müssen sehen, wie wir unsere Leinen oben 4m hoch auf die Poller bekommen. Rita arbeitet wie eine Bergziege, gelernt ist eben gelernt! Um 13:45 haben wir unser Tagesziel, den Ort Commercy nach 21,4km erreicht und gönnen uns ein kühles Bierchen im Cockpit.

Da passiert es! Ein Wespchen kommt geflogen und landet in meinem Bierglass. Beim nächsten Schluck piekst es dann an meiner Oberlippe von innen, ich spucke die Wespe aus, aber zu spät! Es entwickelt sich schnell ein afrikanisches Oberlippchen - nennt man das nicht auch Oberlippen-Afro-Look? 

Abends spielen Dicklippe und Rita noch ´ne Runde Canaster, wobei Dicklippe mal mit Abstand seine Lippe vorne hatte. Wozu so ´ne Lippe doch alles gut sein kann!

 

Freitag, 12.08.2011:

 

Dank Asa´s vorsorglicher medizinischer Versorgung am Vorabend hatte sich heute morgen der Lippen-Afro-Look schon fast wieder verzogen. Schade eigentlich, denn das Ding machte schon was her. Mittlerweile sind es nur noch gute 30 km bis Toul in der Nähe von Nancy, aber noch ca. 20 Schleusen bergauf. Das Barometer ist weiter gefallen, das Wetter scheint wohl wirklich schlechter zu werden. Wir entscheiden uns daher für die Teilung der Distanz mit 5 Schleusen für heute und den Rest heben wir uns für Samstag auf. Es ist bewölkt bei 19-20°C, als wir um 10:00, wie fast jeden Tag, ablegen. Die 5 Schleusen (mit insgesamt 15,30m) sind schnell abgehakt und danach biegen wir auch um 12:40 links in den Canal de l´Marne au Rhin ein und verlassen den Canal de l`Est branch Nord. Nach weiteren 5km erreichen wir um 13:00 die kleine Ortschaft Pagny, wo wir am Steg festmachen können. Hier sind allerdings nicht nur französische Hunde begraben, sondern sogar um diese Zeit schon die Bürgersteige hochgeklappt. Nur die Post und die Kirche sind noch offen. Also nehmen wir es mit Humor und genießen in Ruhe den freien Nachmittag.

 

Samstag, 13.08.2011:

 

Trotz des niedrigen Luftdruckes ist es heute morgen heiter bis wolkig bei Tagestemperaturen bis 24°C. Da hier der Hund begraben ist, beschließen wir nach Toul weiter zu fahren. Dann kommt die Hiobsbotschaft per Anruf von Ariane, Brigittes Tochter: Brigitte hatte einen Herzinfarkt und liegt im Düsseldorfer Krankenhaus. Das schmeißt alle unsere Pläne über den Haufen! Um 10:35 legen wir ab und passieren als 1. den Tunnel von Foug, 867m lang. Dann kommen noch 12 Schleusen, alle abwärts, insgesamt 34,80 m, ganz gute Talfahrt. Dann sind wir um 15:45 fest im "Port de France" in Toul. Hier werden wir sehen, wo der Bahnhof ist, wann ein Zug nach Düsseldorf fährt. Die Hochzeit in Luxenburg muss auf jeden Fall abgesagt werden! Stimmung ist natürlich ziemlich bedrückend. Tagesetmal: 13,8 km.    

 

Liegezeit in Toul bis voraussichtlich 26.08.2011:

 

Am Sonntag, 14.08. ist es morgens bewölkt bei 22°C, ab und zu kommen Schauer runter. Ähnlich ist die Stimmung an Bord. Aber allmählich kommt die Sonne wieder durch und auch die Stimmung an Bord fängt sich wieder, nachdem Rita am Bahnhof ein Rückfahrtticket nach Düsseldorf buchen konnte. Wir verholen noch an einen besseren Liegeplatz und bezahlen erst einmal für eine Woche Hafengeld.

 

Montag morgen bringe ich Rita zum Bahnhof. Ihr Zug fährt kurz vor 10:00. Um 16:00 wird sie, nach viermaligem Umsteigen, kurz nach 16:00 in Düsseldorf ankommen und dann gleich ins Krankenhaus gehen. Ich begebe mich zurück an Bord und verbringe den Tag mit lesen im Cockpit. Das Wetter ist echt geil geworden. Klarblauer Himmel mit Temperaturen über 30°C.

 

Dienstag, 16.08.11. Wieder tropische Temperaturen, die man nur im Schatten verbringen kann! Trotzdem fahren Björn und ich mit dem Rad zum Supermarkt und Baumarkt, um ein paar Dinge zu besorgen. Völlig durchgeschwitzt kommen wir zurück und bringen noch ein paar Sachen, die Björn auf Thorbjoern zwischengelagert hatte auf Älvan. Björn und Asa wollen nun doch gemeinsam am Mittwoch morgens ganz früh zurück nach Göteburg fahren. Abends grillen wir noch zusammen und verholen Älvan dann an einen anderen Platz.

 

Ab Mittwoch bin ich dann ganz alleine mit Hexe hier und relax die kommenden Tage aufgrund der abartigen Hitze im Schatten im Cockpit. Wie froh bin ich nur, dass wir uns noch ein Bimini haben anfertigen lassen. Das kommt nun so richtig zum Einsatz. Einige Bücher werden so in den kommenden Tagen verschlungen. Abends telefoniere ich immer mit Rita und lasse mich hinsichtlich Brigittes Zustand informieren. Sie bekommt einen Stunt gesetzt und einen Schrittmacher und so langsam wird ihr Zustand stabiler. Rita unterstützt sie wirklich stark. Ich lerne hier noch ein paar nette Engländer kennen, z.B. Dawn und Paul, Gill und Davit, beide Paare kommen aus London und wir verbringen schöne Stunden zusammen.

Hin und wieder kann ich mich dann sogar dazu aufraffen, trotz der abartigen Hitze so ab und zu ein paar Arbeiten an und auf Thorbjoern zu verrichten. 

 

Am Montag, 22.08. höre ich von Rita, dass Brigitte voraussichtlich Morgen entlassen wird und sie am Donnerstag abends um 22:00 wieder in Toul eintreffen wird. Das freut mich natürlich sehr, da auch die Kanalsperrung des Canal de Voges ab dem 29.08.11 07:00 wieder aufgehoben wird. So können wir dann am Freitag, d. 26.08.11, morgens in Richtung Charmes starten, um rechtzeitig zur Kanalöffnung vor Ort zu sein. Also warten wir mal ab, ob dann alles auch so klappt, wie geplant. Weitere Berichterstattung also ab Freitag!

 

Samstag, 27.08.2011:

 

Rita ist am Donnerstag abends um 22:16 mit dem Zug wieder in Toul eingetroffen. Ich habe sie natürlich abgeholt und dann haben wir noch bis in die frühen Morgenstunden geplaudert und Neuigkeiten ausgetauscht. Damit Rita sich wieder etwas eingewöhnen kann, wird die Abfahrt aus Toul auf heute morgen verschoben. Es ist leicht bewölkt, aber meist sonnig, als wir um 10:00 durchstarten. Es folgen 3 Schleusen runter, danach biegen wir rechts in die Mosel ein (12:15). Hier können wir wieder etwas schneller fahren (so 6,5kn). Dann geht es wieder hoch, 3 große Schleusen mit insgesamt 20,3m und einer kleinen mit 1,8m, bevor wir in den Canal des Vosges (Vogesenkanal) einbiegen können. Dieser ist richtig eng und flach. Hier haben wir sprichwörtlich nur "die Hand breit Wasser" unterm Kiel und müssen immer schön mittig fahren. Auch die Geschwindigkeit muss wieder herunter auf 5kn gesetzt werden, da sich das Boot sonst richtig schwer steuern läßt. Zu guter letzt kommt noch die Schleuse no. 46 mit 4m Hub nach oben, dann sind wir um 16:30 in Richardmenil, unserem heutigen Tagesziel, an einem kleineren Anleger fest (nennt sich hier "Halte fluviale").

Hier sieht es echt gemütlich aus, aber das Wasser am Anleger ist etwas flach, sodass wir nicht ganz ans Ufer herankommen. Ca. ein halber Meter fehlt, aber den kann man ja leicht überbrücken. Liegen praktisch am Ufer im Schlick fest. Tagesetmal: 30,6km und 8 Schleusen.

 

Sonntag, 28.08.2011:

 

Das mit dem Sonntag ist auf Reisen immer so ´ne Sache. Man kann hier nicht relaxen, sondern muss eben weiter. Die Tage in Toul müssen aufgeholt werden, damit wir wieder in den gesteckten Zeitplan finden. Um 10:10 geht´s also weiter. Haben so ein paar Schwierigkeiten das Boot aus dem Schlick zu ziehen. Gelingt dann aber schlußendlich mit starker Rückwärtsfahrt. Das Wetter ist wieder super! Wir genießen die Kanalfahrt und die schöne Landschaft. Hi und da kommen ein paar Schleusen, doch alles läßt sich gemütlich angehen, haben ja auch mittlerweile genügend Schleusenerfahrung gesammelt. Vor der Schleuse no. 43 passieren wir einen wunderschönen Liegeplatz mitten in der Natur und beschließen nach nur 14,4km hier festzumachen. Traumgegend, Traumwetter, was will man mehr. Ca. 1,5 Std. später macht vor uns dann ein weiteres Boot fest. Hausboot mit Australischer Flagge. Er ist Däne, sie Australierin. Noch beim Festmachen des Bootes kommt ein Angestellter des VNF (Kanal-/Schleusenpersonal) und teilt mit, dass wir hier nicht über Nacht liegen können, da heute noch das Wasser zwischen Schleuse 42 + 43 abgelassen werden muss, da in der Nacht Reparaturarbeiten an Schleuse 42 durchgeführt werden. Also müssen wir nochmals durchstarten, 2 weitere Schleusen nehmen, bevor wir dann einen neuen Liegeplatz ca. 2km entfernt finden. So geht das manchmal eben. 

 

Montag, 29.08.2011:

 

Ganz früh morgens(08:00): leichter Nebel überm Wasser bei 9°C, dann kommt aber so langsam auch die Sonne durch und es wird wärmer. Hi und da sind auch ein paar Wolken zu sehen. Um 09:50 legen wir ab und wollen die nächsten 10 Schleusen, insgesamt ca. 30m hoch bis Charmes klettern, von wo der Vogesenkanal bis heute gesperrt war. Die Schleusen kommen alle paar hundert Meter und man schafft kaum Distanz. Hinzu kommt noch, dass der Kanal streckenweise wirklich nicht breiter als vielleicht 15-20 Meter ist und natürlich sehr sehr flach, sodass man sich immer schön in der Kanalmitte halten muss. Wir haben von dem Dänen gestern gehört, dass hier auf diesem Kanalabschnitt auch sogenannte Penichen (Frachtkähne mit Abmessungen von ca. knapp 40m Länge und 5m Breite) fahren und, wenn man diesen auf einem sehr engen Kanalstück begegnet, es zu großen Problemen kommen kann. Na, bislang ging ja auch alles gut. Der 1. Peniche begegnen wir kurz vor einer Schleuse, da ist genügend Platz und der Skipper fährt äußerst langsam und umsichtig. Also gar kein Problem denke ich. Was der Däne da so rumgefaselt hat gestern.

Aber dann wenig später auf sehr engem und dazu noch kurvenreichem Kanalabschnitt zwischen Schleuse 34 und 33 kommt uns das Problem in Form einer abgeladenen Peniche bei der nächsten Kurve entgegen. Zurück können wir nicht. Also fahre ich so dicht rechts ans Ufer, dass wir schon im Schlick sitzen und warte. Das Ding kommt angefahren, dreht in die Kurve, der Bug passiert uns in sicherem Abstand, auch mitschiffs geht noch allse klar. Dann kommt das Heck! Der hat viel zu viel Fahrt drauf und kann die Kurve nicht ganz meistern. Das Heck nimmt uns alles Wasser, Thorbjoern neigt sich nach Backbord und dreht mit dem Heck in dieselbe Richtung, dann kommt der Knall mit der Berührung. Es gibt ´nen Ruck, die Peniche ist vorbei, wir richten uns wieder auf und ich kann das Schiff rückwärts aus dem Schlick ziehen. Die Peniche fährt noch in die Böschung, zieht auch rückwärts wieder raus und fährt einfach weiter. Wir notieren uns Zulassungsnummer (P13538F - 1822408D), Schiffsnamen (JOSHUA), aber was will man machen. Zurück können wir nicht, Zeugen haben wir keine, französisch sprechen wir auch nicht, also was soll´s. Der Schaden ist nicht so groß, nur Scheuerleiste hinten und die Badeleiter Schrott. Das hält sich in Grenzen, haben noch Glück im Unglück gehabt. Man gut das Thorbjoern aus solidem Stahl gebaut ist.

Um 14:10 kommen wir, noch mit dem Schreck in den Knochen in Charmes an und machen dort an der Kai fest. Jetzt gibt es erstmal einen Schnaps und ein Bier. Dann wird der Schaden fotografisch fest gehalten und sogleich so gut es geht behoben. Heute haben wir nur 16,6km zurückgelegt, haben fast eine Peniche versenkt und 10 Schleusen bezwungen. Insgesamt also eine ganz zufriedenstellende Tagesleistung, oder?

 

Dienstag, 30.08.2011:

 

Heute haben wir uns vorgenommen bis nach Epinal zu fahren. Uns fehlen dazu noch 16 Schleusen und eine Distanz von ca. 23km. Mal sehen , ob wir das wirklich auch umsetzen können. Gegen 08:00 ist noch Nebel auf dem Wasser und die Temperaturen geben mit 7°C nicht eben viel Verlangen auf´s Losfahren. Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit. Erst einmal in Ruhe frühstücken und dann sehen wir weiter. Gegen 09:30 hat sich die Sonne durchgesetzt und der Himmel zeigt sich in klarem Blau. Also es geht doch! Um 10:00 legen wir ab und kurz danach die 1. Schleuse. So geht es alle paar hundert Meter weiter. Landschaftlich ein Erlebnis, doch haben wir mit der ganzen Schleuserei nicht viel davon. Zwischen den Schleusen 22 - 18 kommen uns dann auch noch ein paar Sandschuten entgegen. Diese fahren jedoch sehr langsam und vorsichtig und wir sind ja mittlerweile auch gewarnt. Rita steht immer auf dem Vorschiff und hält gut Ausschau und warnt rechtzeitig, sodass wir dann eben an einer etwas breiteren Stelle einfach warten, bis uns die Dinger passiert haben. Liegeplätze für uns gibt es auf der gesamten Strecke keine, also müssen wir wohl bis Epinal fahren. In der letzten Schleuse vor Epinal teilt uns das Schleusenpersonal dann mit, dass die Wassertiefe im Stichkanal nach Epinal nur für Schiffe mit weit weniger als 1,6m Tiefgang ausreicht und wir deshalb nicht dorthin fahren können. Man bietet uns alternativ an im Becken zwischen den Schleusen 15 + 14 bei der VNF zu übernachten, was wir dankend annehmen, da es mittlerweile auch schon 16:40 ist und wir keine Lust mehr haben noch weitere Schleusen zu meistern. Tagesetmal: 22,7km, 16 Schleusen und 48 m in die Höhe geklettert. Abends wollen wir dann zum Italiener an der Schleusenecke, aber leider renoviert der gerade und hat erst Morgen seine "Neueröffnung. Also müssen wir uns doch etwas selber zurecht bruzeln. Schade, wir hatten uns so auf das Restaurant gefreut.

 

Mittwoch, 31.08.2011:

 

Tja, nachts wird es bei diesem klaren Wetter doch schon recht kalt. 7,7°C am frühen Morgen lassen einen schon leicht frösteln. Aber, wenn dann die Sonne über den Bäumen auftaucht wird es schnell wärmer. Heute steht für uns die Schleusentreppe von Golbey auf dem Programm. 14 Schleusen mit je 3m nach oben, gesamt also 42 Meter hoch bis zum Scheitelpunkt der Vogesen, der 360 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das ist der zweithöchste Scheitelpunkt in Frankreich. Um 09:40 legen wir ab und fahren gleich in die Schleuse 14 ein. Alles läuft jetzt mit Routine. Um 12:40 sind wir oben!!! Geschafft, ab jetzt geht es bergab ins Mittelmeer! Wir fahren noch ´ne gute Stunde weiter, bis wir um 13:45 in Chaumousey einen kleinen Anleger finden, an dem wir am Ortsrand festmachen können.

Hier ist es wirklich malerisch schön. Es gibt einen "Scheitelpunkt" Prosecco, dann fahren wir noch nach Giracourt (nächster Ort 2km entfernt) zum Einkaufen in den Supermarkt. Zurück geht´s am Kanal entlang und durch einen Wald zurück. Abends wird dann lecker gegrillt. Schöner Höhepunkt. Etmal: 10,8km.